Linzer Malschulen

Ein wesentlicher Umbruch für die allgemeine Kunstentwicklung in
Österreich und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg war 1919 die
offizielle rechtliche Erlaubnis, dass auch Frauen eine Ausbildung an
Kunstakademien absolvieren durften. In Linz gab es jedoch in der
Zwischenkriegszeit keine akademische Ausbildungsstätte. Ein Kunststudium

wurde häufig in Wien oder München absolviert.
Bereits vor dem Erlass schlossen sich Künstlerinnen zu Vereinen
und Gemeinschaften zusammen oder besuchten privat finanzierte
Kunstschulen. Eine erste private Malschule in Linz wurde 1889 von
Rosa Scherer gegründet. In den folgenden Jahren übernahmen die
Leitung Michaela Pfaffinger, Berta von Tarnóczy-Sprinzenberg und
schließlich Tina Kofler.

Autorin: Dr.in Inga Kleinknecht, Sammlung Moderne und zeitgenössische Kunst, OÖ Landes-Kultur GMBH

Leiter*innen 
der Linzer Malschulen

Auch die Gründung der ersten Malschule weist Agathe Schwabenau als Pionierin der Linzer Kulturarbeit aus. Die leerstehende Wohnung des Kunstvereins, der seit 1895 in sieben Räumen im ersten Stock des Hauses Graben 2 untergebracht war, wird zum Lokal der Schule umfunktioniert. Auf Empfehlung von Adolf Hölzel konnte als Lehrerin die in München ausgebildete Malerin Michaela Pfaffinger gewonnen werden.

Rosa Scherer (1866-1926)

führte um 1889 in Linz eine Malschule, die als Vorläuferin der von Michaela Pfaffinger gegründeten Malschule betrachtet werden kann.

Michaela Pfaffinger  (1863-1989)

gründete 1896 in den Räumen des OÖ Kunstvereins in Linz eine eigene Malschule für Frauen, die sie bis zu ihrem Tod leitete. 

Berta von Tarnoczy (1846-1936)

übernahm nach dem Tode von Michaela Pfaffinger im Jahr 1898 die Leitung der von Pfaffinger gegründeten Malschule in Linz, die sie bis 1919 leitete. 

 

Tina Kofler (1872-1935)

übernahm ab 1913 die Malschule von Berta von Tarnoczy und betrieb diese mehrere Jahre.

Paula May (1891-1946) und Matthias May (1884-1923)

gründeten 1920 die Linzer Malschule neu und betrieben diese von 1920 bis 1923. Aus finanziellen Gründen konnte weder das Fortbestehen der Malschule noch deren geplante Ausweitung realisiert werden